Das Kind in dir – Warum wir in Beziehungen alte Muster wiederholen

Folge 20 von „Dein Weg zum Glück“ · · 9 Minuten

Dein Partner antwortet stundenlang nicht, und in dir geht ein ganzer Film los? Eine Freundin sagt ab, und du fühlst dich nicht nur enttäuscht, sondern verlassen?

Mit dieser Folge startet eine Reihe über Beziehungen und alte Muster. Es geht um das innere Kind: den lebendigen, ursprünglichen Teil in dir, der sich früh an seine Umgebung angepasst hat. Und um das „innere Arbeitsmodell“ aus der Bindungstheorie von John Bowlby, also die Landkarte, die wir aus der Kindheit in unsere Partnerschaften mitnehmen.

Du erfährst: ✔ Warum manche Situationen dich viel stärker treffen, als sie müssten ✔ Was das innere Kind ist und wie es sich anpasst ✔ Wie du im Moment bemerkst, wer gerade reagiert ✔ Vier Fragen, mit denen du dein eigenes Muster erkennst

🔊 Nimm dir einen Zettel und hör rein – das Kind in dir wollte nie stören, es wollte nur sicher sein.

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Transkript der Folge

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Hallo und herzlich willkommen in einer neuen Folge dein Weg zum Glück. Heute starte ich eine kleine Reihe, auf die ich mich sehr freue. Es geht um Beziehungen, um Liebe, um Freundschaft und um die Nähe. Und um die Frage, warum wir darin manchmal Dinge tun, die wir eigentlich gar nicht wollen. Heute geht es um das innere Kind in dir. Und ich verspreche dir, wenn du heute dran bleibst, wirst du verstehen, warum dich manche Situationen so viel stärker treffen, als sie eigentlich müssten. Und du bekommst vier Fragen, mit denen du dein eigenes Muster heute noch erkennen kannst. Also, los geht's.

Mal ehrlich, kennst du das? Dein Partner antwortet stundenlang nicht auf eine Nachricht. Und in dir geht ein ganzer Film los. Er hat keine Lust mehr auf mich. Ich bin ihm zu viel. Oder deine Freundin sagt einen Termin ab. Und du bist nicht einfach enttäuscht. Du fühlst dich richtig verlassen. Oder jemand kritisiert dich ganz sachlich. Und du reagierst, als ginge es um etwas ganz Wichtiges, um alles. Hinterher denkst du vielleicht, warum hat mich das eigentlich so betroffen? Ich bin doch erwachsen. Ja, du bist erwachsen. Aber in solchen Momenten reagiert oft nicht die erwachsene Frau in dir, sondern ein viel jüngerer Teil von dir. Wir alle kommen offen auf die Welt. Neugierig, lebendig, voller Vertrauen. Ein kleines Kind lacht, wenn es sich freut.

Und weint, wenn es traurig wird. Es fragt nicht, ob das gerade passt oder ob das gerade für andere in Ordnung ist. Dieses lebendige, ursprüngliche Ich nennt man oft auch das innere Kind. Und du kennst es auch bestimmt. Es zeigt sich, wenn du zum Beispiel mit einer alten Freundin in Tränen lachst. Wenn du beim Tanzen die Zeit vergisst. Wenn du etwas tust, was du einfach nur liebst. Und dann trifft dieses Kind auf seine Umgebung. Auf Eltern, die müde sind, die gestresst sind, manchmal selbstverletzt sind. Und das Kind lernt.

Es lernt sehr schnell, was es tun muss, um geliebt und versorgt zu werden. Vielleicht, wenn ich brav bin, bleibt Mama ruhig. Vielleicht, wenn ich weine, werde ich weggeschickt. Vielleicht, ich muss aufpassen, wie Papa heute gelaunt ist.

Der britische Psychiater John Bowlby, der Gründer der Bindungstheorie, hat dafür einen Begriff geprägt. Das innere Arbeitsmodell. Aus unseren frühen Erfahrungen bauen wir uns eine Art innere Landkarte. Darauf steht, bin ich liebenswert? Sind andere für mich da, wenn ich sie brauche? Ist die Welt überhaupt ein sicherer Ort? Und diese Landkarte nehmen wir mit. Überall mit. In die Schule, in den Job und vor allem in unsere Liebesbeziehung. Denn niemals sind wir so verletzlich wie dort, wo wir jemanden wirklich brauchen.

Und jetzt kommt der wichtigste Punkt dieser Folge. Deine Reaktionen sind nicht falsch. Sie waren einmal klug. Sie passten nur jetzt nicht mehr zu deinem Leben. Nicht mehr heute. Stell dir ein Beispiel vor. Anna ist Anfang 40 erfolgreich im Beruf, seit drei Jahren in einer Beziehung. Wenn ihr Partner abends still ist, fragt sie sofort. Ist alles okay? Habe ich etwas falsch gemacht? Sie kocht sein Lieblingsessen. Sie ist besonders lieb. Sie stellt ihre eigenen Wünsche zurück. Und wenn sie ehrlich ist, ist sie dabei völlig erschöpft. Als Kind hat Anna gelernt, dass die Stimmung zu Hause kippen kann, wenn sie nicht aufpasst. Ihr Partner ist aber nicht mehr ihr Vater. Er ist vielleicht einfach nur müde.

Nur Annas inneres Kind kann das noch nicht unterscheiden. Und traut sich auch nicht zu fragen. Und genau hier setze ich in meinem Coaching an. Wir graben nicht jahrelang in der Vergangenheit. Wir lernen im Moment zu bemerken, aha, reagiert gerade nicht die erwachsene Anna, gerade reagiert die kleine Anna. Und allein dieses Merken schafft Abstand. Du bist nicht dein Muster. Du kannst es beobachten. Und dann kannst du auch wählen. Dafür habe ich dir heute eine Übung mitgebracht. Nimm dir einen Zettel oder drück kurz auf Pause. Ich stelle dir jetzt vier Fragen und antworte bitte nicht mit dem Kopf, sondern so, wie es sich in deinem Bauch anfühlt. Erstens. Darf ich so sein, wie ich bin und werde trotzdem geliebt?

Zweitens. Kommt jemand, wenn ich um Hilfe bitte?

Drittens. Werde ich verstanden, auch wenn ich nicht alles erklären kann?

Und viertens. Darf ich laut lachen? Darf ich weinen, wenn mir danach ist? Wenn bei einer Frage in dir ein leises Nein auftaucht oder ein Zögern, dann ist es kein Grund zur Sorge. Es ist einfach nur ein Hinweis. Genau dort liegt wahrscheinlich ein Teil von dir, der damals nicht bekommen hat, was er gebraucht hätte. Und genau dort wiederholen sich heute oft deine Muster in Beziehungen. Das Schöne ist, diese Antworten sind nicht in Stein gemeißelt. Du kannst heute noch Erfahrungen, neue Erfahrungen machen. In einer Freundschaft, in deiner Partnerschaft und vor allem in dir selbst.

Und noch ein wichtiger Hinweis. Wenn du merkst, dass bei diesem Thema sehr schmerzhafte Erinnerungen hochkommen, dann hol dir bitte Unterstützung. Bei schweren Erfahrungen ist eine Therapie der richtige Ort. Und sich Hilfe zu holen, ist ein Zeichen der Stärke.

In den nächsten Folgen schauen wir uns einzelne Muster genauer an. Warum wir uns in anderen verlieren. Warum wir der Anerkennung hinterherlaufen. Warum sich Kontrolle manchmal wie Sicherheit anfühlt, obwohl sie es gar nicht ist. Teile diese Folge gern mit jemandem, der sich in Beziehungen immer wieder an derselben Stelle wiederfindet. Und wenn du deine Muster nicht alleine anschauen möchtest, begleite ich dich gerne dabei. Der Link zu einem kostenfreien Erstgespräch findest du wie immer in der Beschreibung. Bis zur nächsten Folge und vergiss nicht, das Kind in dir wollte nie stören. Es wollte nur sicher sein und heute kannst du ihm diese Sicherheit selbst geben.

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